Archiv für Januar 2011

31.01.11

Die Firma J. A. Topf und Söhne hat in Erfurt zur Zeit des Dritten Reiches Gaskammern und Krematoriumsöfen für Konzentrationslager hergestellt. Bis vor kurzem wurde daran nicht erinnert. Damit diese Geschichte nicht vergessen wird, haben sich verschiedene Erfurter Personen seit 1990 innerhalb eines Förderkreises eingesetzt. Am 27.1.2011 wurde eine Gedenkstätte auf dem ehemaligen Gelände der Firma eröffnet. Dass dieses Projekt letztendlich zu einem dauerhaften Gedenken führt, ist nicht zu letzt den Menschen zu verdanken, die das Firmengelände über viele Jahre besetzt hielten und damit das Thema der Stadt- und Firmengeschichte nicht in Vergessenheit geraten ließen.

In den vergangenen Tagen gab es in Ägypten zahlreiche Streiks und Demonstrationen, der mit starker Repressionen von Seiten des Staates begegnet wurde. Thomas Sieron sieht darin eine soziale Erhebung, da in fast allen größeren Städten zehntausende Regierung von Mubarak demonstrieren. Auslöser der Unruhen ist der Machtwechsel in Tunesien. Ursache dürfte wohl eher die drastische Verschärfung der sozialen Lage sein: die Lebensmittelpreise sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Gestiegen ist auch die Brutalität der Polizei, die gegen Demonstranten schon in früheren Jahren eingesetzt wurde. Als Opposition sind die Muslim-Brüder auszumachen, die regiös-konservativ sind, sich aber für die sozialen Belange einsetzen. Auch die Gewerkschaften treten als Opposition in Erscheinung. Partei-Opposition gibt es dagegen kaum, da dies bisher stark vom Staatsapparat unterbunden wurde. Die politische Lage von Ägypten ist sehr wichtig für die Region. Das System der Armee wird wohl nicht gestürzt werden, so dass grundsätzliche Änderungen nicht zu erwarten sind. Ägypten ist der zweitgrößter Empfänger von Hilfsleistungen der USA. Auch in Zukunft wird das Land auf Auslandshilfen angewiesen sein. Das Internet spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle, da es das einzige Medium ist, welches nicht durch den Staat kontrolliert und zensiert wird.

In der Kernforschungsanlage Jülich ist vor einigen Jahre der Reaktor ist havariert. Es soll nun begonnen werden, die Unfallstelle zu beräumen. Deshalb sollen 152 Castoren nach Ahaus transportiert werden, obwohl es dort auch kein Endlager gibt und die Lagerbedingungen vergleichbar sind. Der Transport ist noch nicht genehmigt. Trotzdem kann von einem Transport per LKW ab Mitte des Jahres ausgegangen werden. Ein Transport per Lkw ist nicht sicherer, kann aber besser um Demonstrationen herum manövriert werden. Weitere Infos auch zu Gegenaktivitäten gibt es hier.

Letztes Wochenende fand in Marburg die Tagung „Medien und Demokratie in Lateinamerika“ statt, die von der Lateinamerikagruppe Marburg organisiert wurde. Der Fokus lag dabei auf Ländern, die als fortschrittlich gelten. Unter Militärdiktaturen und Neoliberalen Regierungen ist eine Medienzentralsierung entstanden. Es existierten und existieren aber auch eine große Breite von freien Medien, über die hier kaum berichtet wird. Deshalb wurden verschiedene Aspekte diese Medien näher beleuchtet, z. B. wie eine unabhängige Berichterstattung gewährleistet werden kann, wenn die Basismedien jetzt staatlich gefördert werden. Es ging aber auch darum, welches Verhältnis die Berichterstattung in Europa zu den Basismedien hat. Nicht zu letzt ging es um eine Vernetzung verschiedener Initiativen, die sich mit den Themen der Tagung befassen.

In den progressiveren Ländern Lateinamerikas soll der Auschluss von großen Teilen der Bevölkerung in der neoliberalen Zeit rückgängig gemacht werden. Das betrifft nicht nur die Teilnahme an den Wahlen, sondern auch die Ermöglichung von Kommunikation durch Basismedien. In Argentinien wurde beispielsweise der Medienbesitz gedrittelt in staatlichen, privaten und kommunitären Anteil. Damit hat sich auch der Staat selbst beschränkt. Durch die Tagung wurden diese neuen Basismedien auch bekannter gemacht, denn die europäischen Medien, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, nutzen derzeit ausschließlich die Informationen von staatlichen oder privaten Medien, die im Wesentlichen die Sicht der Oberschicht darstellt. Näheres berichtete Harald Neubert vom Nachrichtenportal amerika21.

Am 13. und am 19. Februar wollen Tausende Nazis durch Dresden demonstrieren. Nähere Informationen zu den Gegenaktivitäten gibt bei bei dresden-nazifrei.com. Wer diese Initiative unterstützen will, kann sich beim Büro im Bischofsplatz 6 melden oder einfach so mit ein paar anderen Tee oder Suppe verteilen. Natürlich sind auch Spenden gern gesehen. Infos gibt es auch hier.

Termine interessanter Veranstaltungen:
Di. 1.2., 19.00 Uhr, Scheune: Europäische Festung und Sächsische Realitäten
Di, 1.2. 20.30 Uhr, AZ Conni: „was ein rechter mann ist …“ (Buchvorstellung)
Mi. 2.2. 14.50 Uhr, TU Dresden, Potthoff-Bau, Raum 112 (Hettnerstr. 1): Die neuen Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA 2010) und der Bezug zum neuen FGSV – Regelwerk
Mi. 2.2. 17.30 Uhr, Stadtmuseum (Wilsdruffer Straße 2): Zwischen Kinderwunsch und Selektion: Präimplantationsdiagnostik als Hoffnungsträger oder Grenzüberschreiter
Mi. 2.2. 19.00 Uhr, WIR AG (Martin-Luther-Str. 21): Opfermythos Dresden – Die kollektive Unschuld? (Lesung)
Mi. 2.2. 19.30 Uhr, ÖIZ: Grundsätzliche Probleme eines parlamentarischen Systems
Do. 3.2. 19.00 Uhr, Kunsthaus Dresden: „Die Dinge freisetzen“ – Denken vom Rand aus
Do. 3.2. 19.00 Uhr, Internationales Begegnungszentrum (Heinrich-Zille-Str. 6): Kanada – Inder statt Kinder, aber bitte nicht alle!
Fr. 4.2. 21.00 Uhr, Katys Garage: Bloxx Roxx Soliparty

24.01.11

Thorsten Schulze (Stadtrat von B´90/Grüne in Dresden) berichtete uns, dass derzeit die Planungen zum Ausbau der Königsbrücker Str. wieder auf Hochtouren laufen . 2006 gab es einen Stadtratsbeschluss zur 2-spurige Variante. Vor Kurzem hat die Stadtverwaltung unter der Verwaltungsleiterin Helma Orosz nun eine Planung für eine 4-spurige Variante vorgelegt. Das bedeutet, Bürgersteige auf max. 3 m zu reduzieren, der Verlauf von Rad- auf Fußwegen, der Verlauf von MIV-Fahrspuren auf den Staßenbahn-Gleisen oder der Übergang von Fahrgästen der Staßenbahn über 2 Fahrspuren bis zum Fußweg. Dies dürfte kaum genehmigungsfähig sein. Ein Bedarf für eine 4-spurige Straße gibt es nicht. Das hat die Verkehrsentwicklungsgruppe der Stadt Dresden festgestellt und prognostiziert einen Rückgang des Verkehrs auf der Königsbrücker Str. Anders sieht es aber Herr Morlock (Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, FDP). Dieser sieht ohne eine Prüfung keine Förderfähigkeit bei einem 2-spurigen Ausbau. Wie es weiter geht, ist unklar.

Unabhängig davon muss die Stadt einen Plan für Erhöhung der Luftreinhaltung vorlegen, um EU-Recht zu entsprechen. Die aktuelle Plan kann im Umweltamt (Petersburger Str.) eingesehen werden. Einsprüche können an Umweltamt geschrieben werden auch mit weiteren Vorschlägen, wie kleineren Ausbau der Königsbrücker Str. oder besseren Radwegen.

Derzeit gibt es verschiedene Initiativen, die sich mit den negativen Folgen verschiedener Arten von Energieerzeugung (Atom- und Kohle-Strom, CCS d. h. Carbon Dioxide Capture and Storage – CO2-Abscheidung und -Speicherung) auseinandersetzen. Viel mehr könnte erreicht werden, wenn gemeinsam gearbeitet werden würde. Deshalb läd Gegenstrom Berlin am Wochenende zu der Kongress „Kein Castor – keine Kohle“ ein, bei dem die verschiedenen Aktiven zusammenkommen sollen. Beraten wird, ob oder welches Klimacamp wo stattfinden soll.

Am übernächsten Wochenende (5. Februar) finden in München die diesjährige Sicherheitskonferenz statt. Dort tagen Politiker, Militärs der NATO und Vertreter der Rüstungsindustrie. Für Franz von der Friedensinitiative soll dort vor allem der aktuellen Politik ein neues, friedliches Image gegeben werden. In Wahrheit geht es aber um die Vorherrschafft des Westens. Die Durchsetzung der eigenen Interessen geht besonders gut, wenn auch ein Militär im Hintergrund steht. Konkret wird es dieses Jahr zum einen um Afghanistan. Es wird zwar von einem Abzug gesprochen. Praktisch werden die Truppen aber derzeit aufgestockt. Ein anderes Thema wird die Zusammenarbeit zwischen NATO und Russland gehen, die wohl keine Abrüstung bringen wird. Gegen diese Sicherheitskonferenz gibt es eine Demo in der Münchner Innenstadt. Weitere Informationen gibt es unter sicherheitskonferenz.de. Dort kann auch die siko-Zeitung bestellen oder sich die Unterstützungsliste eintragen. Auch Spenden sind gern gesehen.

Am Mittwoch beginnt die Foto-Austellung „Unsichtbare Opfer“ in der Scheune. Im Studio stellten Jan (Amnesty-International-Gruppe an der TU Dresden) und Tobias (Promovio e.V.) die Veranstaltungsreihe vor, die im Rahmen der Ausstellung stattfindet. Besonders empfohlen wurden der Vortrag von Kathrin Zeiske am Sonntag (30.1.) und die Podiumsdiskussion am 1. Februar in der Scheune. Die Austellung ist leider nur eine Woche bis zum 3. Februar zu sehen. Der Verein Promovio, der diese Ausstellung organisiert, befasst sich zentral mit den Problemen in Oaxaca (einer der ärmsten Regionen in Mexico), wie den Rechten von Indigenas, die dort einen großen Anteil an der Bevölkerung stellen, oder den Problemen der Kleinbauern. Zum Thema Medien in Lateinamerika gibt es übrigens eine Tagung am nächsten Wochenende.

Am kommenden Wochenende findet in Berlin der „Entsichern Congress“ statt. Darauf wird es um die negativen Aspekte der Sicherheitspolitik der EU, wie Abschottung, Überwachung oder der Aushebelung von Gesetzen durch Sicherheitsorgane. Nähere Infos gibt es hier.

Termine interessanter Veranstaltungen:
Di. 25.1. 21.00 Uhr, AZ Conni: Luise Pop (Konzert)
Mi. 26.1. 16.00 Uhr, Foyer der Scheune: Unsichtbare Opfer (Vernissage zur Foto-Ausstellung)
Mi. 26.1. 17.00 Uhr, TU Dresden, Hörsaalzentrum, HSZ 03: Rechts = Links? – Sinn und Unsinn des Extremismusbegriffes
Mi. 26.1. 18.00 Uhr, Kleines Haus: Der Kapitalismus von morgen – ein Green New Deal
Mi. 26.1. 18.30 Uhr, TU Dresden, Hörsaalzentrum 201/U: Ideologie Geschichtsbewusstsein und Gedenkpolitik – am Beispiel des 13. Februar in Dresden
Do. 27.1. 12.00 Uhr, Gedenktafel an der Kreuzkirche: Namenslesung
Do. 27.1. 16.00 Uhr, Gedenkstätte Münchner Platz (George-Bähr-Str. 7): Gedenkfeier der Stadt Dresden zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Do. 27.1. 18.30 Uhr, Albertplatz: Im Gedenken an die Opfer des Faschismus (Kundgebung)
Do. 27.1. 19.00 Uhr, Kunsthaus Dresden: Dinge, die nicht Kunst sein wollen!?
Do. 27.1. 19.45 Uhr, Quilombo „Eine Welt“-Laden (Reisewitzer / Schillingstr. 7): L.I.R.E. – Lesen als Weg zur integrierten Entwicklung
Do. 27.1. 20.00 Uhr, AZ Conni: Das Ende des Internationalismus
Do. 27.1. 22.00 Uhr, Casablanca: Sin Nombre (Film)
Fr. 28.1. 11-18.00 Uhr, Goethe-Institut: Ordnung und Unordnung (in) der Demokratie (Tagung/Workshop)
Fr. 28.1. 18.30 Uhr, Skatepark Lingeralle: Critical Mass
Fr. 28.1. 19.00 Uhr, Theaterhaus Rudi (Fechnerstr. 29): Spielt süßer den Tod… Eine Collage zu Celans Todesfuge
Fr. 28.1. 21.00 Uhr, AZ Conni: Nicopol (Konzert)
Sa. 29.1. 15.00 Uhr, Praxis (Columbusstr.): Vernetzungs-Vokü
Sa. 29.1. 21.00 Uhr, Studentenclub Novitatis (Fritz-Löffler-Str. 12 c): Soliparty zur Unterstützung des Bündnisses Dresden Nazifrei
Sa. 29.1. 21.00 Uhr, Louisenstraße 93: Boombooks-Lesung
Sa. 29.1. 21.00 Uhr, Blaue Fabrik: Subtett (Benefizkonzert)
So. 30.1. 10-14.00 Uhr, veränderbar: Beigeschmack: Spendenaktion. (Brunch)
So. 30.1. 11.00 Uhr, Societaetstheater: Wem gehört die Stadt? Gentrifizierung – Schicksal und Chance (Eintritt 3/5 Euro)
So. 30.1. 15.00 Uhr, AZ Conni: Demo-Training
So. 30.1. 15.00 Uhr, Kunsthaus Dresden: Kuratorinnen-Führung durch „the darkest corners of the whitest cube“
So. 30.1. 16.00 Uhr, Scheune: MigrantInnen zwischen Grenzregime, Rassismus und Korruption
Mo. 31.1. 16.40 Uhr, TU Dresden, von-Gerber-Bau, Hörsaal E 38: Von der „sozialen Markwirtschaft“ zur „neoliberalen“ Wirtschaft? Die ökonomische Zäsur in den 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts

17.01.11

Inge Viett sprach auf der Luxemburg-Konferenz vor einer Woche. Wir sendeten eine Zusammenfassung ihres Beitrages.

Letzten Do. präsentierte sich Thyssen-Krupp an der TU Dresden. Thyssen-Krupp stellt u. a. Rüstungsgüter (Schiffe, U-Boote) her. Die Zusammenarbeit zwischen Thyssen-Krupp und der TU Dresden beruht auf einer Kooperationsvereinbarung. In der Konsequenz bedeutet diese Zusammenarbeit, dass an der TU Dresden mittel Drittmittelprojekten Forschung für Rüstungsproduktion stattfindet. Eine solche Zusammenarbeit gibt es im übrigen auch mit anderen Firmen dieses Bereiches: EADS, Krauss-Maffei oder direkt mit der Bundeswehr. Die Vorstellung von Thyssen-Krupp nahmen einige zum Anlass, gegen diese Beteiligung der TU Dresden an Rüstungsforschung zu protestieren. Details gibt es auch hier.

Am 22.1. findet in Berlin eine Demo unter dem Motto „Wir haben es satt“. Aufrufer ist u. a. die AG Bäuerliche Landwirtschaft, ein Verband mit 1700 Mitglieder in Dtl., der für eine Abkehr von der industriellen Landwirtschaft mit all ihren Folgen und Nebenwirkungen eintritt. Alternativen zu einer industriellen Landwirtschaft sind nicht zwangsweise kleine Betriebe. Es kann auch in größeren Betrieben anders gewirtschaftet werden, z. B. durch andere Fruchtfolgen, anstelle von Dünger. Die Demo findet am Tag der Eröffnung der Grünen Woche in Berlin, auf der die Industrielle Landwirtschaft wieder gefeiert wird. Dort gibt es auch Treffen von verschiedenen europäischen Landwirtschafts-Politiker. Diese werden in der nächsten Zeit über die Neureglung der Subventionsvergabe entscheiden. Der zuständige EU-Minister würde die Reglung zu gunsten nicht-industrieller Landwirtschaft ändern, indem die Gelder an die Anzahl der Beschäftigten oder an ökologische Kriterien gekoppelt werden. Die deutschen Regierungs-Politiker sehen das anders. Dagegen richtet sich der Protest der Bauern am 22.1. in Berlin. Die Demo startet um 12 Uhr am Washington-Platz in Berlin. Von Dresden fahren Busse. Nähere Infos gibt es hier.

Am Dienstag hat eine Gruppe ungarischer Künstler eine Petition gegen Rassismus und und Ausgrenzung in Europa beim EU-Parlament eingereicht. Auslöser war nicht zuletzt die Situation in Ungarn selbst. Das Land war in den letzten Wochen vermehrt ins Licht der europäischen Öffentlichkeit geraten, weil dort ein problematisches Mediengesetz verabschiedet wurde. Der Dirigent Adam Fischer, der die Petition mitunterzeichnet hat, meinte dazu in einem Interview: „Wir wenden uns in der Petition generell gegen Diskriminierung, denn die ist für die Gesellschaft ein schleichendes Gift und gefährlicher als ein Mediengesetz. “ Ein umfassenderer Blick auf das Land ist auch deshalb angebracht, weil Ungarn am 1. Januar 2011 die EU-Rats-Präsidentschaft angetreten hat. Wie könnte sich diese gesamteuropäische Rolle auf die ungarische Politik auswirken – im Hinblick auf das Mediengesetz, aber auch darüber hinaus? Radio Dreyeckland aus Freiburg hat darüber mit dem Journalisten Karl Pfeifer gesprochen, der sich seit Jahren intensiv mit der ungarischen Innenpolitik auseinandersetzt.

Dieses Jahr ist in der Bundesrepublik eine Volkszählung geplant. Die NPD hat angekündigt, ihre Mitglieder als Erhebungsmitarbeiter anzumelden. Die NPD will damit u. a. Infos über politische Gegegner sammeln. Die ErhebungsmitarbeiterInnen werden von den Gemeinden ausgesucht und sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Effektiv abgesichert werden kann das nicht. Auch wenn im Wesentlichen VerwaltungsmitarbeiterInnen zur Erhebung eingesetzt werden sollen, kann ein Missbrauch der erhobenen Daten durch sie nicht ausgeschlossen werden.

Termine interessanter Veranstaltungen:
Mo. 17.1. 19.00 Uhr, AZ Conni (Rudolf-Leonhard-Str. 39): Offene Diskussion und Nachbereitung zu den Aktionen gegen Sarrazin
Mi. 19.1. 17.00 Uhr, TU Dresden, Hörsaalzentrum HSZ 03: Hintergründe zum 13.02. + Quer stellen!
Mi. 19.1. 18.00 Uhr, Kleines Haus: Demokratie und Partizipation: Genossenschaftliche Handlungsmöglichkeiten
Mi. 19.1. 18.30 Uhr, TU Dresden, Hörsaalzentrum HSZ E01: Unis forschen für den Krieg!
Mi. 19.1. 19.00 Uhr, WIR AG (Martin-Luther-Str. 21): Gentrification – Städtische Konflikte um Aufwertung und Verdrängung
Mi. 19.1. 19.00 Uhr, Gemeindehaus (Martin-Luther-Platz 5): Bürgerversammlung zum Alaunplatz
Do. 20.1. 9-17 Uhr: Argumentieren gegen Stammtischparolen und rechtsextreme Symbolik (Workshop, Teilnahmegebühr 10 Euro, Anmeldung erforderlich)
Do. 20.1. 20.00 Uhr, AZ Conni: Mobiveranstaltung zum 13.02.2011
Fr. 21.1. 16.00 Uhr, Praxis (Columbusstr. 9), Anarcho-Chor
Mo. 24.1. 20.00 Uhr, AZ Conni: Perspektiven Autonomer Politik (Buchvorstellung)

10.01.11

Seit kurzem wird an den Tankstellen der neue Treibstoff E10 verkauft, der vorgeblich „Bio“-Ethanol enthält. Dabei handelt es sich nicht, wie der Name suggeriert, um ein biologisches Produkt, sondern um Ethanal, welches aus Pflanzen gewonnen wird, die aus konventioneller Landwirtschaft stammen. Die Nutzung dieses Treibstoffs bringt keine CO2-Einsparung, weil viel Energie für die Erzeugung benötigt wird und auch viel Fläche (z. B. Regenwald) für den Anbau umgenutzt wird, so dass weniger CO2 gebunden werden kann. Reinhard Behrend von „Rettet den Regenwald“ erwartet, dass durch den Anbau von Pflanzen für Treibstoffe weniger Lebensmittel hergestellt werden können, so dass die Preise für Lebensmittel steigen werden. Das wird unter den jetztigen Rahmenbedingungen zu mehr Hungertoten führen. Die Chancen, dass in den Parlamenten diese Entwicklung gestoppt wird, sind gering. „Rettet den Regenwald“ setzt deshalb auf weitere Proteste und öffentlichkeitswirksame Aktionen.

Letztes Wochenende fand in Berlin die Rosa-Luxemburg-Konferenz statt. Ralf Richter gab seine musikalischen Eindrücke wieder. Die FAZ meinte zum Thema Kommunismus übrigens, dass der Kommunismus deshalb nicht funktionieren wird, weil dass das heutige Deutschland einer klassenlosen Gesellschaft schon sehr nahe kommt.

Am 13. Februar 1945 kam das über Dresden, was die Nazis seit Jahren geplant haben – Dresden wurde im 2. Weltkrieg bombardiert. Aus diesem Anlass demonstrieren in Dresden verschiedene Gruppen von friedensbewegten bis Nazis. Letztere rufen für den 19. Februar zu einer überregionalen Demo auf. Am 13. Februar wird es auch Aktivitäten der Nazis geben, allerdings eher in einem regionalen Rahmen. Beide Demos sollen, wie schon im letzten Jahr, durch eine Blockade verhindert werden. Dazu ruft das Bündnis „Dresden nazifrei“ auf, welches ein Zusammenschluss verschiedener Gruppen und Einzelpersonen, von Gewerkschaften bis Antifas, ist. Der Einladung an die Oberbürgermeisterin Helma Orosz zur Teilnahme an dem Bündnis ist sie leider nicht gefolgt. Zur Vorbereitung auf die Gegenaktivitäten fand im Oktober es eine Auftakt-Konferenz statt. Es wird weitere regionale Vorbereitungstreffen geben. Wegen der Blockaden gab es letztes Jahr zahlreiche Untersuchungen der Staatsanwaltschaft, die bis heute nicht abgeschlossen sind. Neben den eigentlichen Blockadeaktionen, die sich mit expliziten Nazis befassen, gibt es dieses Jahr auch Aktionen, die sich mit der Gedenkpolitik befassen. Schließlich gibt es auch rechtes Denken in breiten Teilen der Einwohnerschaft, die sich zum Beispiel durch den zahlreichen Zuspruch für die Lesung von Sarrazin, der offen rassistische Thesen vertritt.

Die Vokü Cartonage ist eine Vokü, die jedem Mittwoch 20 Uhr im AZ Conni stattfindet, wobei es immer ein Dessert in Form einer politischen Veranstaltung gibt. Diese Woche wird es um die Thesen von Thilo Sarrazin gehen, der diese Woche sein aktuelles Buch in Dresden vorstellt – eine Lesung, zu der 2500 Menschen erwartet werden (das ist Besuchsrekord in der Bundesrepublik). Im ersten Teil wird es eine Auseinandersetzung mit den Themen des Buches ist in Form von kurzen Lesungen und Filmschnipseln, ernst und satirisch. Im zweiten Teil werden Protestaktionen vorgestellt, die sich verschiedene Gruppen ausgedacht hat.

Hadayatullah Hübsch ist tot. Wir sendeten einen Nachruf.

Termine interessanter Veranstaltungen:
Mi. 12.1. 18.00 Uhr, Kleines Haus: Entwicklungspolitik im 21. Jahrhundert: Auslaufmodell oder wirksamer Beitrag zur great transformation?
Mi. 12.1. 18.30 Uhr, TU Dresden, Hörsaalzentrum E01: Der Castor-Protest 2010 in Bildern
Mi. 12.1. 19.00 Uhr, WIR AG (Martin-Luther-Str. 21): Bolivien im Umbruch. Der schwierige Weg der Neugründung
Mi. 12.1. 19.00 Uhr, ÖIZ (Kreuzstrasse 7): „Sarrazins Wahrheit“ – eine alternative Buchlesung
Mi. 12.1. 20.00 Uhr, AZ Conni: Man kann gar nicht so viel kochen wie man kotzen möchte… Verstand schafft sich ab (Lesung)
Do. 13.1. 18.30 Uhr, vor der Messehalle 1 (Ostragehege): „Für ein solidarisches und friedvolles Miteinander“ (Protestaktionen und Gegenlesung)
Do. 13.1. 14.50 Uhr, TU Dresden: Grenzen der sozialen und pädagogischen Arbeit im Spannungsfeld Rechtsextremismus
Fr. 14.1. 16.00 Uhr, Praxis (Columbusstr. 9), Anarcho-Chor
Fr. 14.1. 18.30 Uhr, WIR AG (Martin-Luther-Str. 21): Leben ohne Einkommenssorgen (Erfahrungsbericht)
Fr. 14.1. 19.00 Uhr, Kunsthaus: the darkest corners of the whitest cube (Ausstellungseröffnung)
Fr. 14.1. 22.00 Uhr, Chemiefabrik: monotekktoni (Konzert)
So. 16.1. 9.00 Uhr, Neustädter Bahnhof: Soliwanderung
So. 16.1. 15.00 Uhr, klub RM16 (Robert-Matzke-Str. 16): Familie ist…Von (Un-) Möglichkeiten des Zusammenlebens
Mo. 17.1. 18.00 Uhr, Stadtarchiv (Elisabeth-Boer-Str. 1): Linsensalat (Eröffnung einer Fotoausstellung)
Achtung!!! Verlegt auf 17.03.

03.01.11

Die Betriebserlaubnis für das Endlager Gorleben steht derzeit in Frage. Wie Wolfgang Ehmke von der BI Lüchow-Dannenberg berichtete, wurden Erdgas-Einschlüsse gefunden, sowohl im Salzstock, als auch darunter. Ein solches Vorkommen kann ein KO-Kriterium für die Nutzung des Salzstocks als atomares Endlager sein. Diese Information wurde bisher in allen offiziellen Untersuchungen unterschlagen. Ob diese neue Information aber wirklich das Aus für das Endlager Gorleben, ist noch offen. Vorerst soll der Fortgang der Arbeiten damit juristisch gestoppt werden. Dann wäre beim nächsten Besuch von Bundesumweltminister Röttgen am 14.2. diesen Jahres Ruhe unter Tage. Übrigens, der nächste Castor-Transport geht im Februar nach Lubmin.

Lunapark21 ist eine Monatszeitschrift, die sich mit internationale Wirtschaft und deren Kritik befasst. Wir haben sie kurz vorgestellt.

Michael Schulze von Glaßer, Beirat der Informationsstelle Militarisierung, berichtete über die Nachwuchsarbeit der Bundeswehr an Schulen. Dort wird u. a. internationaler Politik in einem Spiel simuliert, was den Einsatz der Bundeswehr im Ausland einschließt, was solche Einsätze als ein normales Mittel der Politik erscheinen lässt. Juristisch betrachtet regelt der Beutelsbacher Konsens die Minimalanforderungen an die politische Bildung, an die sich auch die Jugendoffiziere halten müssen. Aber das ist eher Theorie. Es ist noch nicht bekannt, dass ein Jugendoffizier beispielsweise den Afghanistan-Einsatz auch kritisch beleuchtet und die Gründe für einen Abzug diskutiert. Selbst wenn Friedensbewegte mit in die Schule eingeladen werden, haben sie nicht die gleichen Chancen – sie werden nicht monatelang geschult und für diese Ausbildung noch bezahlt. Michael Schulze von Glaßer hat zum Thema auch ein Buch geschieben. Es heißt: „An der Heimatfront“ (ISBN-13: 978-3894384425, Papyrossa Verlagsges.).

Hermann L. Gremliza las die Konkret Kolumne von Januar über das „System als Fehler“.

In Spanien kommt es regelmäßig zu Misshandlungen von Gefangenen in Polizeigewahrsam. Dies beklagen seit Jahren nicht nur Menschenrechtsorganisationen, sondern auch Institutionen wie die Vereinten Nationen oder der Europarat. Vergangene Woche wurden seit langem mal wieder 4 Mitglieder der spanischen Guardia Civil wegen Misshandlungen von Gefangenen verurteilt. Das brisante an dem Fall: Auf Grundlage von erfolterter Geständnisse dieser Mitglieder der Guardia Civil wurden im Mai 2010 drei vermeintliche Mitglieder der ETA für den Bombenanschlag auf den Madrider Flughafen von 2006 verurteilt. Über den Fall sprach Radio Dreyeckland (Freiburg) mit dem im Baskenland lebenden freien Journalisten Ralf Streck.

Termine interessanter Veranstaltungen:
Do. 6.1. 20.00 Uhr, AZ Conni: Vegane vegankritische Vokü
Fr. 7.1. 20.00 Uhr, Sozietätstheater, Wortlos-Musikfestival – Das lange Instrumental-Wochenende (bis So.)
So. 9.1. 18.00 Uhr, Volkbühne Berlin: Nekrophilie ist Liebe zur Zukunft / Nekromantik 2 / Heiner Müller ist nicht tot




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