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offener Brief an die Organisatoren der Bonding Firmenkontaktmesse

… hat mit dem Magazin erstmal noch nichts zu tun, obwohl wir uns bestimmt auch noch on Air damit beschäftigen. Erstmal zur Donkumentation ein offener Brief einiger Studierender an die Organistoren der ab dem 19.4. im HSZ stattfindenden Firmenkontaktmesse:

„Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,

die bonding Studenteninitiative e.V. gibt es nun schon seit 21 Jahren in
Dresden, doch von Erwachsenwerden fehlt jede Spur. Auch in diesem Jahr
beschlagnahmt ihr für mehrere Tage das Hörsaalzentrum und bittet
verschiedenste Unternehmen von Rang und Namen sich der
Studierendenschaft als lukrative Arbeitgeber zu präsentieren. Doch nach
den Protesten im letzten Jahr möchtet ihr auf Nummer sicher gehen und
jegliche Kritik an dieser Veranstaltung von Vornherein unterbinden. Auf
die Kritikpunkte einzugehen oder gar daraus zu lernen, ist euch
scheinbar nicht möglich. Ihr habt Gespräche mit dem Rektorat und der
Geschäftsführung des StuRa geführt. Nach eurer Auffassung darf die
Firmenkontaktmesse auf gar keinen Fall zu einer Plattform für politische
Diskussionen „entarten“. Die bonding-Hochschulgruppe sei ein
hundertprozentig unpolitischer Verein und ihr wünscht keine Störung
durch Sambatrommeln oder gar durch das Verteilen von Flugblättern.

Die Behauptung „unpolitisch“ zu sein ist bestenfalls lächerlich. Doch
bleibt das Lachen sofort im Halse stecken, wenn uns schon auf Seite 8
eurer Broschüre von 2010 Bildungsministerin Annette Schavan und
Wirtschaftsminister Rainer Brüderle mit politischen Schlagworten wie
Globalisierung, Arbeitsmärkte, Exzellenzinitiative und Bolognapaket
begrüßen. Auch in der aktuellen Broschüre schwärmt Oberbürgermeisterin
Helma Orosz von ihren hochgesteckten Zielen. Sollten wir darüber nicht
eine politische Diskussion führen? Vielleicht lesen wir das Büchlein
doch erst bis zum Ende.

Auf den nächsten Seiten folgt ein Leitfaden für junge Menschen, sich
möglichst effizient auf dem Arbeitsmarkt zu prostituieren. Der
diesjährige Aufruf auf einem eurer Fotos „Titten raus, es ist Messe“ ist
wohl an Sexismus kaum zu überbieten (Seiten 2 und 5 der aktuellen
bombing-Broschüre). Seid ihr euch sicher, dass wir das brauchen? Wäre es
nicht sinnvoller, sich um die tatsächliche Situation der
Praktikant_innen in den teilweise prekären Arbeitsverhältnissen zu
kümmern? Auch die Vernichtung von Arbeitsplätzen durch Praktikumsstellen
wäre ein passendes Thema für euch – allerdings ein politisches.

Bei aufmerksamer Lektüre der Unternehmensprofile vom Vorjahr stechen
Branchenbegriffe wie „Sicherheit“ oder „Verteidigung“ ins Auge. Hier
habt ihr tatsächlich etwas gelernt. Denn dieses Jahr wurden diese
Begriffe fast überall durch „sonstiges“ ersetzt. Wollt ihr etwa
verbergen, dass viele der von euch eingeladenen Unternehmen einen
Großteil ihrer Profite im Rüstungsbereich machen? Auch die Verwendung
des Wortes „Zukunftsbranche” an dieser Stelle ist überaus zynisch.
Wissen schafft Brücken. Doch scheinbar dürfen alle Absolvent_innen der
TU Dresden dieses Wissen ohne Skrupel benutzen, um genau die Bomben zu
entwickeln, die jene Brücken andernorts wieder zerstören. Sollten wir
das nicht kritisch beleuchten? Wollt ihr tatsächlich diesen
Waffenproduzenten den hochqualifizierten Nachwuchs liefern? Ist das der
Grund, warum ihr keinen Protest im Hörsaalzentrum duldet? Ihr wollt doch
nur verhindern, dass jene unbelehrbaren Unternehmen von unserer Kritik
abgeschreckt werden.

Es muss eine offene Diskussion zu diesen Themen geben. Und diese muss
auch während der Messe möglich sein. Es ist geradezu dreist von euch,
den StuRa zu bitten, er möge doch den sogenannten Nörglern und
Miesmachern für die zwei Messetage das Maul verbieten. Auch die TU
Dresden muss aktiv werden. Gerade sie hat den Auftrag, den Studierenden
Bildungsinhalte zum verantwortungsvollen Handeln gegenüber ihren
Mitmenschen, der Gesellschaft und Umwelt zu vermitteln (Grundordnung der
TU, §3 Abs. 7). Sollen diese Prinzipien denn sofort über Bord geworfen
werden, nur weil einige Gäste aus der Industrie sich auf dem Unigelände
präsentieren? Es muss eine Zivilklausel in die Grundordnung. Die
Berufung auf Verantwortung reicht nicht aus. Andernfalls wirkt die TU
Dresden unglaubwürdig und neben innovativ, familienfreundlich und
exzellent kann nur noch das Prädikat gewissenlos hinzugefügt werden.

Ja zur Friedensbindung der Universitäten – Nein zur Militärforschung. Es
ist Zeit zum Handeln!

Mit freundlichen Grüßen

Studentinnen und Studenten der TU Dresden“

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